Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V.



Straßenbahnstrecke zum Bahnhof

Mit dem Bahnhof begann die Geschichte der Zwickauer Straßenbahn. Am 18. September 1845 wurde Zwickau über eine Zweigstrecke zusammen mit dem Abschnitt Crimmitschau - Werdau der Bahnstrecke Leipzig - Hof an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Dem ersten Bahnhofsgebäude in Holzbauweise folgte bereits 1858 ein Neubau, sowie 1936 das heutige Empfangsgebäude im Bauhausstil.

Jedoch befand sich der Zwickauer Bahnhof außerhalb der Innenstadt und war somit zunächst nur fußläufig erreichbar. Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Diskussionen über die Einführung einer Pferdebahn, was jedoch auf Grund der Steigung der Bahnhofstraße nicht realisiert werden konnte. Auf Initiative des Konsortiums Schuckert & Co., Kommanditgesellschaft in Nürnberg und Leo Arnoldi, Mainz begann der Bau einer elektrischen Straßenbahn.

Am 6. Mai 1894 konnte der Straßenbahnbetrieb auf der ersten Linie zwischen Bahnhof und Hauptmarkt (später bis Wilkau-Haßlau) aufgenommen werden.

Endhaltestelle der Straßenbahn in den Anfangsjahren, Blick vom zweiten Empfangsgebäude auf den Bahnhofsvorplatz
Postkarte, Sammlung: Peter Pauker

Im Zeitraum von Mai 1933 bis 1936 wurde für den Personenverkehr das bereits erwähnte dritte Empfangsgebäude errichtet. Somit erreichten auch noch die ab 1926 in Dienst gestellten Sachsenwerk-Triebwagen die alte Endhaltestelle Bahnhof, jedoch ohne Beiwagen, da keine Umfahrungsmöglichkeit vorhanden war.

Sachsenwerk-Triebwagen Nr. 64 vor dem zweiten Empfangsgebäude
Archiv: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Sammlung: Klaus Reichenbach

Mit Bau des dritten Empfangsgebäudes ging die letzte Änderung im Streckennetz vor dem Zweiten Weltkrieg einher. Am 17. Dezember 1936 ging die erste Wendeschleife in Betrieb. Die Straßenbahnen wendeten damals direkt vor dem Haupteingang.

Drittes Empfangsgebäude mit der neu angelegten Straßenbahnwendeschleife
Postkarte, Sammlung: Peter Pauker

Ab 1961 wendeten die Straßenbahnen nicht mehr direkt vor dem Empfangsgebäude, sondern (wie heute) auf dem etwas entfernter liegenden (damaligen) Überholgleis.

Lowa-Wagen Nr. 23 im Jahr 1975 an der Endhaltestelle Hauptbahnhof
Archiv: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Foto: Klaus Reichenbach

Auf Grund des schlechten Gleiszustandes wurde am 14. Februar 1975 der Streckenabschnitt der Linie 3 von der Wildenfelser Straße bis zur Endhaltestelle Wilkau-Haßlau, sowie am 16. November 1975 der verbliebene Abschnitt Wildenfelser Straße - Hauptbahnhof eingestellt. Fortan verkehrten auf der Linie 3 Omnibusse.

"Schienenersatzverkehr" der Linie 3 - der Ikarus 280 befährt die Bahnhofstraße in Richtung Georgenplatz
Archiv: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Foto: Klaus Reichenbach

Mit der Erdölkrise und dem Bau des Neubaugebietes Eckersbach sowie den Überlegungen der Erschließung mit dem öffentlichen Personennahverkehr, hatte auch die Straßenbahn wieder eine Zukunft. Mitte der 1980er Jahre begann der Wiederaufbau der Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof.

Wiederaufbau der Wendeschleife am Hauptbahnhof im Jahr 1984
Sammlung: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Foto: Klaus Reichenbach

Im April 1984 fanden mit dem Gotha-Arbeitswagen Nr. 1 erste Probefahrten statt.

Probefahrt mit dem Gotha-Arbeitswagen Nr. 1
Foto: Peter Kalbe

Jedoch ruhte der Straßenbahnverkehr zum Hauptbahnhof weitere Jahre bis am 2. Januar 1989 mit den neuen Tatra KT4D aus der Tschechoslowakei die Linie 1 vom Hauptbahnhof nach Pölbitz in Betrieb genommen werden konnte.

Tatra KT4D auf der Linie 1 am Georgenplatz in Richtung Pölbitz
Archiv: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Sammlung: Gerhard Gläsel

Mit der Streckeneröffnung nach Eckersbach am 19. September 1992 konnte das Stadtbahnzeitalter beginnen. Ab diesem Tag verkehrte die Linie 1 zwischen Hauptbahnhof und dem Neubaugebiet Eckersbach.

Eröffnungsfahrt nach Eckersbach
Archiv: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Foto: Klaus Reichenbach

Im Jahr 1997 wurde die Bahnhofstraße grundhaft saniert, die Wendeschleife am Bahnhof blieb jedoch im alten Zustand.

Niederflurgelenktriebwagen GT6M Nr. 902 auf der grundhaft sanierten Bahnhofstraße
Archiv: Freunde des Nahverkehrs Zwickau e.V., Foto: Klaus Reichenbach

Seit dem 15. Dezember 2002 wurde die Strecke zum Hauptbahnhof nur noch werktags tagsüber mit Straßenbahnen bedient. Über mehrere Schritte entwickelte sich das Liniennetz bis zum seit dem 13. Dezember 2009 betriebenen System:

Linie 3 - Eckersbach - Neuplanitz
Linie 4 - Städtisches Klinikum - Pölbitz
Linie 5 - Städtisches Klinikum - Hauptbahnhof (werktags tagsüber)
Linie 7 - Pölbitz - Hauptbahnhof (werktags tagsüber)

Tatra KT4D auf der Linie 5 am Georgenplatz in Richtung Städtisches Klinikum, 21. Dezember 2009
Foto: Peter Pauker

In den darauffolgenden Jahren begannen die Diskussionen über die Zukunft der Strecke zum Hauptbahnhof. Optimales Ziel wäre die Herausbildung eines Zweiachsennetzes, bestenfalls mit Einbindung des Hauptbahnhofes in die Linie 4 über eine Neubaustrecke von der Werdauer Straße via Kopernikusstraße zum Hauptbahnhof.

In einer Pressekonferenz am 17. Oktober 2019 wurde die vorübergehende Einstellung der Straßenbahnanbindung des Hauptbahnhofes durch die Geschäftsleitung der Städtische Verkehrsbetriebe GmbH und der Stadtverwaltung verkündet. Am 13. Dezember 2019 fährt somit vorerst letztmalig eine Straßenbahn zum Hauptbahnhof.

Anfang 2020 soll dem Stadtrat die Planung für die Modernisierung des Bahnhofsvorplatzes sowie dem Bau der Querspange zur Werdauer Straße vorgelegt werden.

... wird fortgesetzt ...

Über die Zusendung von Bildern und Geschichten rund um die Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof würden wir uns sehr freuen. Gern können Sie sich an oeffentlichkeitsarbeit@nahverkehrsfreunde-zwickau.de wenden. Vielen Dank.

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